Expo Real FM-Tag: Experten sehen Nachhaltigkeit als Zukunftsaufgabe bei der Gebäudebewirtschaftung

04.11.2011, Osnabrück

FM-Marktvolumen für Energie- und Ressourceneffizienz werde sich verdoppeln

Nicht nur der Neubau nachhaltiger Immobilien, sondern vor allem das nachhaltige Betreiben von bestehenden Immobilien ist eine der wichtigsten gesamtgesellschaftlichen Zukunftsaufgaben. Dem Facility Management kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Ohne FM ist das Thema Energieeffizienz im Bestand nicht zu handhaben, denn hier laufen alle Fäden zusammen. So lautet einer aktuellen Mitteilung des Verbandes Gefma zufolge der Konsens des gemeinsam mit RealFM veranstalteten FM-Tages auf der Messe Expo Real Anfang Oktober in München.
„Jeder von uns weiß, dass Nachhaltigkeit und Facility Management untrennbar sind“, betonte der Gefma-Vorstandsvorsitzende Otto Kajetan Weixler in seiner Begrüßungsrede. Der Facility Management-Wirtschaft eröffneten sich große Wachstumschancen beim Thema Nachhaltigkeit von Immobilien. Prognosen von Roland Berger Strategy Consultants zufolge wird sich das FM-Marktvolumen für Energie- und Ressourceneffizienz in Deutschland bis 2020 von aktuell 3,0 Mrd. € auf 6,0 Mrd. € verdoppeln. Noch dynamischer entwickelten sich Energiedienstleistungen als zusätzliches potenzielles Aufgabenfeld im FM. Hier liege das Markvolumen bei aktuell 2,6 Mrd. €, im Jahr 2020 bei voraussichtlich 6,3 Mrd. €. Michael Engel von Roland Berger hatte die Zahlen auf dem FM-Tag präsentiert.

Erhebung von Bestands- und Verbrauchsdaten aus den Gebäuden werde wichtiger

Kritische Worte zum Thema Nachhaltigkeit kamen von Key-Note-Speaker Professor Michael Braungart von der Universität Lüneburg. Umweltschutz und Nachhaltigkeit seien häufig nur vorgeschoben und in der Praxis noch viel zu oft gleichbedeutend mit Zerstörung. „Mit weniger Zerstörung und weniger Verschmutzung zwar, beispielsweise durch einen reduzierten Energieverbrauch bei Gebäuden“, betonte er. Aber selbst solche vorgeblich grünen Gebäude verbrauchen Energie und vernichteten damit Ressourcen. Braungart plädierte für eine Abkehrvom Wegwerfgedanken, hin zu einem echten Ressourcenkreislauf und zum positiven ökologischen Fußabdruck. Als Beispiel nennt er Häuser, die ihre eigene Energie produzieren – „idealerweise in ausreichendem Maße, um auch noch das Elektroauto vor der Tür aufladen zu können.“ An die Stelle von „weniger schlecht“ werde so „mehr besser“ treten.
Eine weitere Erkenntnis des FM-Tages sei, dass sich, um den lmmobilienbestand nachhaltiger betreiben zu können, das Profil des Facility Managers ändern müsse. Die Erhebung von Bestands- und Verbrauchsdaten aus den Gebäuden werde wichtiger. Christoph Wildgruber von Allianz Real Estate beispielsweise konstatierte, dass fehlende Daten jede sinnvolle Diskussion über Nachhaltigkeit beendeten. „Es gibt noch keinen ausreichenden oder automatisierten Fluss an Daten vom Betreiber zum Eigentümer“, beobachtete er. Neben fehlenden Vereinbarungen im Mietvertrag sei oft auch das Gebäudealter ein Problem. Gerade in alten Bestandsgebäuden gibt es seiner Ansicht nach insgesamt zu wenig Messstellen oder veraltete Systeme, um den Energieverbrauch zu erheben. Auch andere Daten zum Mieterverhalten wie das Abfallaufkommen oder der Wasserverbrauch seien nicht immer leicht zu bekommen –  sie seien aber zur Bestimmung der Nachhaltigkeits-Performance ebenfalls erforderlich. Wildgruber berichtete, dass die Allianz als Immobilieneigentümer ihr Portfolio gegenwärtig dahingehend untersuche und auf die Mieter zugehe. Die Betreiberseite schätze die Bedeutung von Daten ähnlich hoch ein. „Energieeffizienter Gebäudebetrieb kann nur über die Datenaufnahme und wirkliches Datenmanagement erreicht werden“, so Peter Heuer von Piepenbrock Facility Management. Besonders beim energieeffizienten Gebäudebetrieb gelte eben: "Messen –  Steuern – Regeln“. Dies gelte unabhängig davon, ob eine Zertifizierung anstehe oder ob es um ein dauerhaftes Energie-Monitoring ohne Zertifikat gehe.
Momentan sind Heuer zufolge viele Unternehmen in Deutschland zwar eher noch nicht bereit, Geld für das Monitoring von Nachhaltigkeit im Immobilienbestand auszugeben, was sich jedoch mittelfristig ändern dürfe. Tenor der Veranstaltung war, dass eine permanente Verbrauchsoptimierung wichtiger sei als einmal ausgestellte Nachhaltigkeitslabel.
Laut Bernd Romanski von Hochtief Solutions spielen Nachhaltigkeitszertifikate bei der Erstellung von Gebäuden eine wichtige Rolle. Inzwischen habe sich sogar das Zweitzertifikat etabliert, beispielsweise DGNB und zusätzlich LEED oder DGNB und außerdem Breeam. Es komme aber zusätzlich darauf an, den Energieverbrauch einer Immobilie über den kompletten Lebenszyklus permanent zu optimieren. Gelinge dies, sei das faktisch mehr wert als ein Nachhaltigkeitsstempel, bei dem lediglich die voraussichtliche Qualität der Betriebsphase berücksichtigt werden könne und der Aspekt zudem nur ein Punkt unter vielen sei, so Romanski.
Genau diese Aufgabe der permanenten Optimierung des Betriebs steht laut Romanski bereits seit Jahren im Fokus der FM-Dienstleister – „sei es, indem sie dem Eigentümer Veränderungen in der Gebäudetechnik oder an der Gebäudehülle vorschlagen, als Energielieferant über Contracting-Modelle agieren, als Betreiber die technischen Anlagen unter Energieeffizienz-Gesichtspunkten steuern oder den Nutzer für ein energiesparendes Verhalten sensibilisieren.“ Gerade für Bestandsimmobilien, deren energetische Ausgangssituation im Hinblick auf Gebäudetechnik und -hülle oft nicht optimal seien, komme es in besonderem Maße auf die Betriebsphase an.
(Quelle: EUWID,  22.2011)


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Quelle: www.piepenbrock.de

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