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Forschung von der Erde bis ins All: Leitinterview mit Staatssekretär Matthias Hauer
Kontakt: Philip Schönfeld Datum: 16 Januar 2026 Lesedauer: 4 Minuten Kategorien: Nachhaltigkeit Themen: DZNE, Forschung, Hartwig Piepenbrock-DZNE Preis
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Matthias Hauer ist Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Der Jurist und CDU-Bundestagsabgeordnete aus Essen sprach bei der Verleihung des Hartwig Piepenbrock-DZNE Preises 2025 in Bonn. Im Vorfeld haben wir mit ihm über die Bedeutung von Spitzenforschung, gesellschaftliche Verantwortung und seine persönliche Perspektive gesprochen.
Herr Hauer, was war Ihr erster Gedanke, als das DZNE bezüglich der Verleihung des Hartwig Piepenbrock-DZNE Preises 2025 auf Sie zukam?
Mein erster Gedanke war: „Hier wird ein exzellentes Beispiel für die gelungene Verknüpfung von Grundlagenforschung, Technologie‑Transfer und gesellschaftlichem Nutzen
präsentiert.“ Ich freue mich sehr, dass diese herausragende Forschungsleistung erneut durch den Hartwig Piepenbrock-DZNE Preis gewürdigt wird.
Ihr Ministerium fördert seit Jahren die Gesundheitsforschung, insbesondere zu neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer. Warum ist dieser Bereich für Sie persönlich und politisch so wichtig?
Persönlich berührt mich das Thema, weil neurogenerative Erkrankungen wie Alzheimer viele Familien enorm belasten. Politisch ist die Forschung zu neurodegenerativen Erkrankungen ein Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit unseres Gesundheitssystems: Prävention, frühzeitige Diagnose und wirksame Therapien sichern die Lebensqualität älterer Menschen und reduzieren langfristig zudem Kosten. Das BMFTR fördert mit dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) exzellente
Forschung zu Ursachen und möglichen Therapieoptionen verschiedener neurodegenerativer Erkrankungen, wobei ein maßgeblicher Forschungsfokus auf unterschiedlichen Formen der Demenz liegt. Darüber hinaus engagiert sich das BMFTR beispielsweise im Rahmen des europäischen Programms „Joint Programme Neurodegenerative Disease Research (JPND)“ und stellt hier seit 2022 jährlich mehrere Millionen an Mitteln der Forschungsförderung bereit.
Professor Lars Lannfelt erhielt den Preis für seine Pionierarbeit in der Alzheimer-Forschung. Was beeindruckt Sie persönlich an seiner wissenschaftlichen Leistung?
Professor Lannfelts Fähigkeit, molekulare Erkenntnisse in klinisch wirksame Therapien zu überführen, ist herausragend. Durch die Entwicklung von einem Antikörper, der sich gezielt gegen Proteine richtet, hat er den Grundstein für das erste kausal wirksame Alzheimer‑Medikament gelegt. Denn bisherige Alzheimer-Medikamente wirken nur symptomatisch. Das von ihm mitentwickelte
Medikament Lecanemab ist in der Lage, das Fortschreiten der Erkrankung um einige Monate zu verlangsamen. Professor Lannfelts Arbeit verbindet Grundlagenverständnis mit einem klaren Blick auf die Translation in die Patientenversorgung – ein Paradebeispiel dafür, wie die Forschung den globalen medizinischen Fortschritt vorantreibt.
Spitzenforschung braucht nicht nur öffentliche Förderung, sondern auch Engagement aus der Gesellschaft. Was sagen Sie Unternehmen wie Piepenbrock, die sich dauerhaft für Wissenschaft und Gemeinwohl einsetzen?
Spitzenforschung benötigt neben staatlichen Mitteln auch gesellschaftliche Anerkennung. Unternehmen wie Piepenbrock leisten hier einen wichtigen Beitrag, indem sie mit dem Hartwig Piepenbrock‑DZNE Preis herausragende Forschung sichtbar machen. Der Preis
würdigt exzellente Wissenschaft und motiviert Forscherinnen und Forscher. Diese Form der Anerkennung stärkt das Vertrauen der Öffentlichkeit in Forschung und fördert ein innovationsfreundliches Umfeld.
Sie selbst bringen berufliche Erfahrungen aus Recht, Wirtschaft und Digitalpolitik mit. Inwiefern helfen Ihnen diese Perspektiven bei Ihrer aktuellen Arbeit in der Forschungspolitik?
Mein juristischer Hintergrund unterstützt mich beim Gestalten klarer, verlässlicher Rahmenbedingungen für Forschung und Innovation. Wirtschaftliche Erfahrung hilft, Förderprogramme so zu konzipieren, dass sie marktorientierte Forschung und Technologie‑Transfer begünstigen.
Die Digitalpolitik liefert das Verständnis für Dateninfrastrukturen, KI‑Ethik und digitale Souveränität. Diese Schnittstellen ermöglichen eine umfassende, zukunftsorientierte Forschungspolitik.
Ihr Ministerium verantwortet auch die Raumfahrt. Klingt nach Science-Fiction, ist aber längst Realität. Was sind aus Ihrer Sicht aktuell die spannendsten Projekte – und warum lohnen sich diese Investitionen?
Raumfahrt leistet unter anderem einen wichtigen Beitrag für Europa – von Wettbewerbsfähigkeit, Souveränität bis hin zur Gesundheitsforschung. Experimente auf der Internationalen Raumstation (ISS) ermöglichen Erkenntnisse, die auf der Erde so nicht gewonnen werden können – etwa zu Muskel- und Knochenabbau, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder dem Immunsystem. Diese Forschung
hilft, Therapien zu verbessern und neue Medikamente zu entwickeln. Gleichzeitig liefern Erdbeobachtungs- und Navigationssatelliten wertvolle Daten für Verkehr, Landwirtschaft, Umwelt- und Gesundheitsschutz, etwa bei der Analyse von Luftqualität oder der Ausbreitung von Krankheitserregern. Investitionen in die Raumfahrt sind Investitionen in Innovation, Sicherheit und Gesundheit für alle.
Neben Ihrer politischen Arbeit engagieren Sie sich ehrenamtlich. Was treibt Sie persönlich an, sich für soziale Themen zu engagieren?
Als Parlamentarischer Staatssekretär sehe ich meine Aufgabe nicht nur in der Gestaltung von Forschungs‑ und Technologiepolitik, sondern auch in der Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Ich bin überzeugt, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt die Basis für nachhaltigen Fortschritt bildet.
Meine Ehrenämter ermöglichen mir, verschiedene Perspektiven in die Gestaltung von Forschung einfließen zu lassen. Es ist für mich ein persönlicher Antrieb, Verantwortung zu übernehmen und aktiv dazu beizutragen, dass wissenschaftlicher Fortschritt allen Bürgerinnen und Bürgern zugutekommt.
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