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Reinraum: Saubere Teamleistung
Kontakt: Laura Bisaccia Datum: 17 September 2026 Lesedauer: 5 Minuten Kategorien: Kompetenz Themen: Dokumentation, Reinraum, Reinraumreinigung
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Reinraumreinigung bleibt für Außenstehende meist unsichtbar – und ist doch entscheidend für sensible Produktionen. Norbert Gürke hat 20 Jahre Erfahrung in der Branche und leitet bei Piepenbrock die Fachabteilung Reinraum. Im Interview erklärt er, woran sich Qualität im Reinraum festmacht, warum Nachweisführung und Schulung wichtiger werden und welche Herausforderungen die Branche bewegen.
Herr Gürke, für viele klingt „Reinraum“ abstrakt. Woran erkennt ein Laie den Unterschied zwischen klassischer Reinigung und Reinraumreinigung?
Ehrlich gesagt: Ein Laie erkennt das meistens gar nicht ohne Weiteres. Er bekommt diese Bereiche in der Regel nicht zu sehen. Der Unterschied liegt nicht im Sichtbaren, sondern im mikrobiologischen
und partikulären Bereich. Deshalb gebe ich ein einfaches Bild: Wir reinigen das, was fürs bloße Auge schon sauber ist – damit es sauber bleibt.
Reinraumreinigung passiert oft im Hintergrund, aber die Folgen sind sehr konkret. Was steht aus Ihrer Sicht auf dem Spiel, wenn sie nicht exakt funktioniert?
Im Kern geht es um die Produkte unserer Kunden. Wenn Reinraumreinigung nicht ordnungsgemäß abläuft, führt das im schlimmsten Fall zu Ausschuss und hohen Schäden – sowohl im ISO-Umfeld, etwa in der Halbleitertechnik, als auch im GMP-Umfeld in streng regulierten Produktionsbereichen der Pharmaindustrie.
Besonders kritisch wird es dort, wo wir extrem produktnah arbeiten, also nah an Herstellung oder Abfüllung. Gerade weil die Anforderungen in sensiblen Industrien so hoch sind, ist es umso wichtiger, als Dienstleister professionell und verantwortungsbewusst zu arbeiten.
Wenn Sie die letzten 20 Jahre betrachten: Welche Entwicklungen haben den größten Sprung gebracht?
Es sind weniger einzelne Sprünge als eine stetige Professionalisierung. Reinraum ist keine abgeschlossene Wissenschaft, sondern eine lebende Struktur, die sich ständig weiterentwickelt. Bei Material und Equipment hat sich viel getan, weil Dienstleister Anforderungen an Hersteller zurückspiegeln und diese ihre Lösungen verbessern. Das verändert Verfahren und Techniken kontinuierlich. Gleichzeitig ist die Nachweisführung
deutlich wichtiger geworden. Kunden erwarten heute Auditsicherheit. Diese beginnt nicht erst im Objekt, sondern bei den eigenen Prozessen: Dokumentation, Freigaben, nachvollziehbare Abläufe. Und auch bei Schulungen ist viel passiert. Die Anforderungen sind gestiegen. Damit werden Qualifizierung, Schulungsdokumentation und ein systematisches Vorgehen immer wichtiger.
Was ist für Kunden heute der wichtigste Qualitätsbeweis?
Das ist aus meiner Sicht die Professionalität, mit der ein Dienstleister an die Aufgabe herangeht: saubere Implementierung, klare Prozesse, Schulungen, Dokumentation – und die Fähigkeit, im laufenden Betrieb gemeinsam mit dem Kunden genau zu analysieren, wenn Abweichungen auftreten. Gleichzeitig spüren wir, dass der Kosten- druck zunimmt, auch in sensiblen Bereichen. Das macht es umso wichtiger, Qualität nicht nur zu versprechen, sondern sichtbar und überprüfbar zu machen. Im GMP-Umfeld gibt es zusätzlich eine sehr direkte Kontrolle über das Monitoring, etwa über mikrobiologische Auswertungen. Wenn Werte außerhalb des Rahmens
liegen, müssen wir gemeinsam mit dem Kunden die Ursache finden – denn im Reinraum greifen viele Bausteine ineinander: Verhalten der Produktionsmitarbeiter, Reinraumtechnik, Abläufe, Material und eben auch die Reinigung. Für die Umsetzung heißt das: In der Implementierung schauen wir uns den Bereich an, prüfen Anforderungen und passen unsere Schulungen individuell an Kundenbedürfnisse an. Ein zentraler Punkt sind die SOPs, die Standardarbeitsanweisungen des Kunden: Wir müssen sie verstehen und in unsere Unterlagen und Abläufe integrieren.

Im Trainingszentrum werden seit 2019 Fach- und Führungskräfte praxisnah und standardisiert geschult.
Sie erwähnen SOPs und Standards: Oft wird auch nach Zertifikaten gefragt. Wie ist das einzuordnen?
Wichtig ist: Es gibt viele relevante Normen und Standards, die im Gesamtpaket geprüft werden, zum Beispiel Qualitätsmanagement, Arbeitsschutz oder auditfähige Dokumentation. Was aber fehlt, ist ein eigenständiges, allgemein anerkanntes Zertifikat ausschließlich für die Dienstleistung Reinraumreinigung.
Umso wichtiger ist es, dass Kunden genau hinschauen: Wie ist der Dienstleister aufgestellt? Wie weist er Prozesse nach, schult Mitarbeiter und setzt Anforderungen um? Daran trennt sich in der Praxis oft die Spreu vom Weizen.
Dieses Jahr feiern Sie zehn Jahre Reinraumkompetenz bei Piepenbrock. Was war der Impuls, eine eigene Fachabteilung aufzubauen?
Reinraumreinigung gab es bei Piepenbrock bereits. Der Impuls war, das Know-how bundesweit zu bündeln und zu standardisieren. Denn einzelne Niederlassungen hatten zwar Erfahrung, aber ohne zentrale
Struktur entwickelt sich diese nicht automatisch weiter. Die Idee war eine Fachabteilung, die Wissen systematisch in die Niederlassungen trägt, Aufträge implementiert und die Weiterentwicklung vorantreibt.
Wenn Sie die zehn Jahre in drei Meilensteinen erzählen: Welche Entwicklungsschritte waren entscheidend?
Ein prägender Meilenstein war GlobalFoundries – der größte Reinraum Europas mit rund 50.000 Quadratmetern. Das war für uns früh ein großer, motivierender Auftrag. Ein zweiter Meilenstein war unser Trainingszentrum, das wir 2019 aufgebaut haben.
Seitdem schulen wir dort Fach- und Führungskräfte praxisnah und standardisiert. Und aktuell ist die Auftragserweiterung mit Boehringer Ingelheim ein sehr großer Schritt.
Ein Kern Ihrer Arbeit sind Schulungen, teils mit Virtual Reality (VR). Was kann eine Simulation besser als eine klassische Unterweisung?
VR ist kein Ersatz für klassische Schulung. Reinigungstechnik muss man praktisch üben: mit Equipment, mit Haptik, in einer realistischen Umgebung. VR ist bei uns ein Add-on, um Fach- und Führungskräfte zu sensibilisieren – vor allem für Verhalten und Bewegung im Rein- raum. Je nach Reinheitsklasse darf man sich nicht beliebig schnell bewegen: Wer zu schnell arbeitet, verursacht Luftverwirbelungen und bringt Partikel in Bewegung. Mit dem VR-System unseres
Partners Innerspace wird das sehr anschaulich. Ein Ampelprinzip zeigt, ob Anwender im richtigen Tempo arbeiten. So schärfen wir das Verhalten regelmäßig nach. Der Vorteil: Das System ist mobil. Einmal im Jahr schulen wir unsere Fach- und Führungskräfte an mehreren Standorten gebündelt – mit kurzen Wegen, weniger Reisezeit und einer guten Wirkung. Zusätzlich bieten wir das Format als Schulungslösung für externe Zielgruppen an.
Welche Branchentrends werden die Reinraumreinigung in den nächsten Jahren prägen – und wo sehen Sie die größten Herausforderungen?
Ein Trend ist Robotik. In der Unterhaltsreinigung ist das vielerorts schon bekannt, im Reinraum ist es deutlich anspruchsvoller und steht noch am Anfang. Ein zweiter großer Bereich ist die Digitalisierung von Dokumentation. In vielen Reinraumbereichen wird noch mit Papier gearbeitet – digitale Lösungen müssen GMP-konform und auditfest sein. Das ist technisch und organisatorisch anspruchsvoll, wird sich aber weiter durchsetzen. Und eine zentrale Herausforderung ist Mehrsprachigkeit. Wir erleben, dass wir in Zukunft noch stärker mit vielfältigen Sprachprofilen arbeiten werden
– gleichzeitig sind Dokumentation und SOPs komplex. Das ist eine gemeinsame Aufgabe von Kunden und Dienstleistern. Lösungsansätze sind zum Beispiel mehrsprachige Schulungsunterlagen, stärker visuelle Standards und praxistaugliche Dokumentationshilfen, die auditkonform bleiben.
Am Ende ist Reinraumreinigung Teamarbeit. Damit Anforderungen, Sprache, Dokumentation und Abläufe praxistauglich zusammenpassen und Qualität sauber nachweisbar bleibt, ist die enge Zusammenarbeit mit dem Kunden für den Erfolg entscheidend.
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