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„Den digitalen Wandel mitgestalten“

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Professor Dr. Thomzik

Als Professor für Facility Management an der Westfälischen Hochschule und Innovationsforscher an der Ruhr-Universität Bochum ist Prof. Dr. Markus Thomzik ein anerkannter Branchenexperte. Zudem berät er als Partner und Gesellschafter der Prof. Staudt Innovation – Consulting GmbH Unternehmen in ihrer Strategieentwicklung. Im Interview mit Piepenbrock Panorama spricht er über die Entwicklung des Facility Managements und die digitalen Trends der Zukunft.

Die Facility-Management-Branche bietet wichtige Unterstützung für andere Wirtschaftsunternehmen. Welches aktuelle Bild zeigt sich?

Die Branche wurde lange notorisch unterschätzt. Dabei gehören Facility Services neben den Vorzeigebranchen wie der Automobil- oder der chemischen Industrie zu den wichtigsten Wirtschaftsbereichen in Deutschland – gemessen an den volkswirtschaftlichen Kennzahlen. Doch die Branche ist inzwischen nicht nur in Insiderkreisen und beim Fachpublikum angekommen. Auch im alltäglichen Leben findet sie zunehmend Gehör.

Ganz selbstverständlich spielen heute Comedians im Radio mit dem Begriff Facility Management, sind Gebäudedienstleister als Setting in einer Tatort-Folge zu sehen oder benennt Journalist und Buchautor Gabor Steingart in seinem neuesten (Hör-)Buch den Facility Manager als klassischen Beruf. Hier rückt das Facility Management aus meiner Sicht zunehmend in den Vordergrund. Und während vor zehn Jahren auf circa 950 000 Internetseiten aus Deutschland der Begriff auftauchte, findet Google das Schlagwort Facility Management heute in 0,59 Sekunden 750 Millionen Mal.

Inwiefern sind die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf das Facility Management zu spüren?

Die Branche erfährt in der Phase der COVID-19-Pandemie zunächst einmal eine erhöhte Aufmerksamkeit. Auch die Wertschätzung steigt spür- und messbar. Nach einer Forsa-Umfragehalten 96 Prozent der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland das Gebäudereinigerhandwerk in der Corona-Krise für wichtig oder sehr wichtig. Und wenn man sich anschaut, warum zu Beginn der Pandemie beispielsweise die ersten Shopping-Center wieder öffnen durften, lag es an den guten Hygienekonzepten der Facility-Management-Akteure.

Insgesamt sieht ein Großteil der Gebäudedienstleister ihre Geschäftsentwicklung in Anbetracht der Umstände als moderat. Man sieht auf der einen Seite keine positiven Effekte wie bei HelloFresh oder Zalando, die Branche ist auf der anderen Seite aber in ihrer Vielfalt der Services auch längst nicht so negativ betroffen wie weite Teile der Gastronomie oder Kulturschaffende. Sie zeigt sich dank ihrer innovativen und digitalen Lösungen mal wieder als verlässlicher Partner in Krisenzeiten.

Sie haben einen eigenen Podcast zu den Themen Innovation und Digitalisierung in der Facility-Management-Branche ins Leben gerufen. Wie kam es dazu?

Ich beschäftige mich seit Jahrzehnten mit Innovationen und der Frage „Wie kommt das Neue in die Welt?“. Mein Schwerpunkt liegt dabei auf der Facility Management- und Immobilien- Branche. Gleichzeitig genieße ich das neue Format des Podcasts beim Sport, während der Fahrt mit der Bahn oder im Auto. Die meisten Ideen entstehen übrigens nicht in den Kreativworkshops der Unternehmen und Agenturen, sondern beim Sport.

So auch bei mir. Die Idee kam mir beim Joggen. Der Podcast „InnoFM“ feierte im Mai 2021 bereits sein Zweijähriges und hat dabei eine stetig wachsende Zuhörerschaft. Es macht mir großen Spaß mit Experten der Branche über digitale Trends und Entwicklungen zu sprechen.

Welche digitalen Trends stehen derzeit besonders im Fokus?

Die Digitalisierung hat das Zeug, die Facility-Management-Branche in zweierlei  Hinsicht aufzuwerten: Auf der einen Seite gestalten neue digitale Tools das Feld des Facility Managements für junge Berufseinsteiger attraktiver. Auf der anderen Seite verspricht die Digitalisierung der Prozesse weitere Effizienzgewinne. Schauen wir hier beispielsweise auf die PropTech-Szene, die digitale Technologien in der Immobilienbewirtschaftung fördert.

Hierzu zählen unter anderem die Themen Smart Home oder Virtual-Reality-Simulationen. Diese Dynamik kann das Facility Management für sich nutzen.  Neue Ansätze aus den Bereichen der künstlichen Intelligenz oder der Blockchain ernten Anerkennung und Auszeichnungen. Und darüber sollten Gebäudedienstleister berichten. Kommunikation spielt in der digitalen Entwicklung also auch eine tragende Rolle.

Worin sehen Sie die Vorteile der Digitalisierung für Gebäudedienstleister und ihre Kunden?

Ganz allgemein formuliert, ermöglicht die Digitalisierung zunächst schlankere Prozesse und damit eine Verbesserung der Facility Services. Es wird aber nicht nur möglich sein, die Dinge richtig zu tun, sondern auch die richtigen Dinge zu tun. Wenn wir nun unsere digitalen Hausaufgaben machen, werden wir in nicht allzu ferner Zukunft die Performance der Gebäudebewirtschaftung auf ein neues Niveau heben.

Hierfür müssen wir qualitativ hochwertige Daten sammeln, analysieren und kundenspezifisch aufbereiten. So finden sich individuelle Lösungen für jedes Unternehmen, egal aus welchem Fachbereich.

Monotone und wiederkehrende Aufgaben im Facility Management sollten zukünftig automatisiert werden. Wie stehen Sie zu dieser Aussage und welche Rolle spielt dabei der (Faktor) Mensch?

Im Prinzip kann ich dieser Aussage zustimmen. Die Entwicklungen rund um die Digitalisierung werden von den Prognosen begleitet, dass insgesamt  mehr Jobs entstehen als verlorengehen. Ich vermute, es wird auch für den Bereich der Facility Services eher um eine Umschichtung von Arbeitsinhalten gehen. Es werden völlig neue Kompetenzen gefragt sein. Administrative Prozesse müssen schlichtweg digitalisiert werden. Erste Ansätze sind Ticketsysteme, die alle Anfragen und Störungsmeldungen gebündelt sammeln und an das zuständige Helpdesk weiterleiten.

Und das ist nur der Anfang. Algorithmen für Big-Data-Analysen oder die Programmierung für autonome Maschinen stehen auf der Agenda. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Facility-Management-Branche müssen große Technologiesprünge erwarten, an die sie sich anpassen und mit ihnen wachsen müssen. Hinzu kommen dann noch die Plattformansätze, die die ganze Wertschöpfungsarchitektur verändern können. Eines steht aber fest: Der Mensch ist und bleibt die treibende Kraft im digitalen Wandel. Meiner Meinung nach werden auch weite Teile der infrastrukturellen Facility Sevices People Business bleiben.

Wagen wir abschließend einen  Blick in die Zukunft: Wo steht die Facility-Management-Branche in zehn Jahren?

Ich bin überzeugt, dass in den nächsten fünf Jahren mehr Veränderungen anstehen als in den letzten 50 Jahren zusammen. Die Frage wird nur sein, ob die Akteure der Branche es schaffen, hier selber proaktiv zu innovieren oder ob die Branche von außen gesteuert wird. Neue Akteure mit einem modernen Geschäftsmodell sollten ernst genommen und nicht belächelt werden.

Speziell für das Facility Management bedeutet dies neue digitale Tools und Plattformen zu erschließen, um sich auf dem Markt weiterhin zu behaupten. Es gilt also: Aktion statt Reaktion. Nicht nur für die Gebäudedienstleister bleibt es zukünftig spannend. Auch ich als Innovationsforscher und -berater bin neugierig, welche Entwicklungen uns in den nächsten Jahren erwarten.

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