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„Nachhaltigkeit schaffen wir nur gemeinsam“

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Dr. Axel Berger Portraitfoto

Dr. h.c. Axel Berger ist stellvertretender Vorsitzender im Vorstand von Plan International Deutschland. In mehr als 50 Entwicklungsländern setzt sich das Kinderhilfswerk dafür ein, die Lebensbedingungen von Kindern langfristig zu verbessern und ihnen eine sichere und glückliche Kindheit zu ermöglichen. Im Interview spricht Dr. Berger über die Arbeit von Plan International Deutschland und welche wichtige Unterstützung dabei Patenschaften durch Unternehmen darstellen.

Als eines der ältesten Kinderhilfswerke setzt sich Plan International Deutschland bereits seit 1937 für Kinder und Jugendliche ein. Sehen Sie aktuell – auch durch die Coronakrise – besonderen Handlungsbedarf?

Plan International Deutschland ist eines der größten Kinderhilfswerke der Welt und setzt sich seit mehr als 85 Jahren für die Rechte von Kindern und insbesondere von Mädchen ein. Unser Einsatz konzentriert sich auf Länder, in denen die Ärmsten der Armen leben. Aktuell sind wir in über 50 Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas tätig. Dort leisten wir langfristig angelegte Entwicklungszusammenarbeit. Das heißt, wir unterstützen die Kinder und ihre Familien und verbessern ihre Lebensbedingungen Stück für Stück durch Hilfe zur Selbsthilfe. Corona ist in diesem Zusammenhang eine Katastrophe: Die Viruspandemie wirft uns um Jahre zurück. Das passiert auf mehreren Ebenen: Zum einen fehlen uns Einnahmen. In einigen Ländern ist die finanzielle Unterstützung durch Unternehmen und Privatpersonen stark zurückgegangen. In Deutschland ist das erstaunlicherweise umgekehrt: Hier ist die Unterstützung und die Einsicht, dass etwas getan werden muss, tatsächlich noch größer geworden. Das freut uns natürlich sehr. Unser Hauptproblem ist allerdings der Schutz der Menschen und unserer knapp 10 000 Mitarbeitenden in den Ländern weltweit.

Den zu gewährleisten, ist in dieser Ausnahmesituation nicht einfach, insbesondere, da wir aktuell nicht in die Länder einreisen können. Noch mehr Kommunikation, Gespräche mit den Mitarbeitenden und das Beobachten der Situation in den jeweiligen Ländern sind da jetzt wichtig. Wir sind die ganze Zeit in enger Abstimmung mit den Teams vor Ort. Durch Corona gibt es mehr Geflüchtete, das verschärft die Lage zusätzlich. In einer Pandemie wird den Rechten von Kindern und vor allem von Mädchen viel weniger Bedeutung beigemessen und sie werden weniger beachtet. Plan International Deutschland schätzt, dass die Erfolge der Entwicklungszusammenarbeit, also ein regelmäßiger Schulbesuch, Schutz und Stärkung der Rechte der Kinder, um 25 Jahre zurückgeworfen werden. Aktuell leisten wir mehr humanitäre Hilfe und sichern in erster Linie das Überleben der Menschen. Wir setzen aber unsere ganze Kraft ein, um die Situation vor Ort zu verbessern, und hoffen, dass wir in absehbarer Zeit wieder den Fokus auf die Entwicklungsziele richten können.

Welche Rolle spielt das Engagement von Unternehmen für Plan International Deutschland?

2019 hat Plan International Deutschland ungefähr 50 Millionen Kinder erreicht. Grundsätzlich ist es immer unser Ziel, das Schicksal von Kindern und Familien zum Positiven zu verändern. Das gelingt leider nicht immer, da muss man realistisch sein. Aber selbst wenn sich nur ein wenig ändert, ist das schon ein toller Beitrag. Und dafür benötigen wir die finanziellen Mittel. Wir brauchen also Unternehmen und Privatpersonen, die uns unterstützen. Deshalb sind unsere Förderer zum einen in finanzieller Hinsicht sehr wichtig für uns. Die Kooperation mit Unternehmen hat aber noch einen weiteren, ebenso wichtigen Effekt: Die gemeinsamen Ziele werden in der Philosophie verankert und innerhalb der Unternehmen und extern kommuniziert.

Unsere Partnerunternehmen wecken und stärken das Bewusstsein für unsere Ziele, machen Mitarbeitende und Kunden auf die Kinder und ihre Lebensumstände aufmerksam und tragen unsere Ziele nach außen. Es nutzt nichts, als Einziger in der Wüste zu rufen. Wenn Sie etwas verändern wollen, dann müssen Sie das Bewusstsein vieler Menschen ändern. Und dazu tragen unsere Partnerunternehmen in hohem Maße bei. Ähnlich ist das auch beim Thema Nachhaltigkeit. Das schafft kein Einzelner, das schaffen wir nur alle gemeinsam. Daher sind das interkulturelle Verständnis füreinander und das Bewusstsein für die Ziele und die Notwendigkeit, nachhaltig zu leben, so wichtig.

Piepenbrock hat Patenschaften in Laos und Vietnam.

Piepenbrock arbeitet seit 2010 mit Plan International Deutschland zusammen und unterhält Patenschaften in Laos und Vietnam (Bild: Plan International Deutschland).

Welche Ein kleiner Rückblick: Die Zusammenarbeit zwischen Plan International Deutschland und Piepenbrock feierte 2020 Jubiläum. Was ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

Die Kooperation von Plan International Deutschland und Piepenbrock besteht und wächst bereits seit zehn Jahren. In der Zeit haben wir gemeinsam vieles erreicht. Das Wasserprojekt „Piepenbrock Clean Water“ in Laos ist zum Beispiel eines der tollen Projekte, die mir direkt einfallen. Die Region habe ich 2014 persönlich besucht, damals noch ohne von der Förderung zu wissen. Es hat mich sehr beeindruckt, wie die Versorgung mit sauberem Trinkwasser in diesem schwer erreichbaren Gebiet umgesetzt wurde. Davon haben mehr als zehn Dörfer profitiert. Zusätzlich sind da natürlich die Patenschaften, die Piepenbrock übernimmt. Aktuell sind es 70 Kinderpatenschaften in Laos und Vietnam und es kommen, soweit ich weiß, auch noch mehr hinzu.

Mit den Patenschaften und der Förderung werden mit den Einwohnern vor Ort Hygiene-, Sanitär- und Trinkwasserprojekte umgesetzt. Damit können Schulen oder Krankenstationen errichtet, Schulmaterialien für die Kinder beschafft und die notwendige Infrastruktur aufgebaut werden. Hier kann ich sagen, dass wir sehr gern mit Unternehmen wie Piepenbrock zusammenarbeiten, die sich der Nachhaltigkeit verschrieben haben. Mit diesen sind wir direkt auf einer Wellenlänge, da wir nicht erst Überzeugungsarbeit zu unseren Zielen und der Notwendigkeit, zu helfen, leisten müssen. Der nachhaltige, soziale Gedanke ist fest verankert und das Verständnis bereits vorhanden.

Ebenfalls Jubiläum feierte die Nachhaltigkeit bei Piepenbrock: Wie beurteilen Sie das nachhaltige Engagement unseres Unternehmens?

In ihrer Funktion als Förderer und Multiplikator für unsere Ziele engagieren sich Unternehmen nachhaltig. Piepenbrock geht da noch einen Schritt weiter und ist nicht nur in sozialer, sondern auch in ökologischer und ökonomischer Hinsicht Vorreiter. Seit 30 Jahren ist die Nachhaltigkeit bei Piepenbrock ein fester Bestandteil der Philosophie.

Deswegen hat die Kooperation für uns einen ganz besonderen Stellenwert. Mit den vielen nachhaltigen Projekten und Aktionen und dem eigenen Forst ist Piepenbrock schon etwas Besonderes und ein wertvoller Partner für uns, mit dem wir uns freuen, auch in Zukunft die gemeinsamen Ziele für die Kinder und Umwelt zu verstärken und zu entwickeln.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Plan-Kinder weltweit?

Wir von Plan International Deutschland wünschen uns natürlich, dass wir möglichst bald mit unserer Schwerpunktarbeit fortfahren können: Dass es weniger darum geht, nur die Folgen der Corona-Pandemie zu lindern, sondern dass die Entwicklungszusammenarbeit wieder im Vordergrund steht und wir dahin kommen, die Lebensverhältnisse der Kinder nachhaltig zum Positiven zu verändern.

Und natürlich, dass wir die Kinder und ihre Familien sowie auch unsere Mitarbeitenden vor Ort so gut wie möglich schützen können. Wir waren vor der Corona-Pandemie auf einem sehr guten Weg, haben für viele Kinder eine Menge bewirkt. Da möchten wir natürlich schnellstmöglich wieder hin und die Entwicklungszusammenarbeit weiter voranbringen. Das wünsche ich mir zum Wohle der Kinder.

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