Die Chance im Change

Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) stellte am 30. März 2017 das Thema „Mut“ in den Mittelpunkt. Das Osnabrücker Mittelstandsetzwerk hatte den „Überlebensberater“ Johannes Warth ins Piepenbrock Service Center eingeladen, um rund 150 Gäste aus der regionalen Wirtschaft mit musikalischen Einlagen, Gesang, zahlreichen Wortspielen und praxisnahen Szenarien zu unterhalten. Die Botschaft: Unternehmer sollen Mut zeigen, um im Wettbewerb langfristig zu bestehen.

Nach einleitenden Worten von Christian Göwecke, Repräsentant des BVMW, begrüßte Piepenbrock-Geschäftsführer Nord Hartmut Voigt die Anwesenden zunächst mit einem Verweis auf die Elbphilharmonie. Dort führt Piepenbrock seit Anfang 2017 einen Auftrag im infrastrukturellen Facility Management durch. „Es gehörte viel Mut dazu, für diesen Auftrag zu bieten“, erläuterte Voigt. „Viele Detailfragen zum Aufgabenumfang konnten über lange Zeit nicht beantwortet werden.“ Um zu unterstreichen, dass sich diese Entscheidung jedoch auszahlt, lud er das Auditorium ein, sich für das Fachsymposium „Facility Management in der Elbphilharmonie “ anzumelden. In Kooperation mit dem Fachmagazin „Der Facility Manager“  gewährt Piepenbrock nicht nur Einblicke in die Praxis der Dienstleistungsausführung. Geplant ist ebenfalls eine Führung durch das neue Wahrzeichen Hamburgs.

Gewöhnung erfordert Veränderung

Fokus, Mut, Ermutigung – unter diesen drei Schlagworten stand im Anschluss der Vortrag von Johannes Warth. Der bekennende Oberschwabe führte sein Publikum im Piepenbrock Service Center durch einen kurzweiligen Abend. Er nutzte zur Veranschaulichung seiner Standpunkte eine Vielzahl rhetorischer Stilmittel. So wies er zur Begrüßung darauf hin, dass das Wort „Erfolg“ von „er folgt“ komme – dieser stelle sich ein, wenn man etwas investiert. „Wir ernten, was wir säen“, unterstrich er. „Viele Menschen gehen mit der Einstellung zur Arbeit: Heute wird wieder ein schwerer Tag! Wie ist eure persönliche Einstellung zu dem, was ihr macht? Damit steht und fällt der persönliche Erfolg.“ Besonders vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sei es wichtig, positiv zu denken und zu handeln. Seine überraschende Einschätzung: die Gesellschaft leidet heute unter den schwierigsten Bedingungen, die es je gegeben habe. „Wir sind die größten Jammerer, obwohl es uns so gut wie geht nie“, konkretisierte Warth. „70 Jahre ohne Krieg bedeuten, dass es seither keinen von außen angestoßenen Veränderungsprozess mehr gab.“ Während Krieg und Krisen im Verlauf der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts regelmäßige externe Veränderungen hervorriefen und dazu führten, Chancen neu zu ergreifen, müssten speziell Unternehmer heute den Veränderungsprozess selbst anstoßen und sich regelmäßig verändern oder zu neuen Ufern aufbrechen. Das bedeute eine große Anstrengung. Johannes Warth bezeichnete sich deshalb als „Ermutiger“, um im „Change“ die „Chance“ zu sehen. Die schlimmsten Sätze in einem Unternehmen würden seiner Einschätzung nach lauten: „Das haben wir immer so gemacht“ oder „Was sollen denn die Leute dazu sagen?“ Deshalb betonte er: „Mutig zu sein heißt, Dinge zu tun, von denen andere sagen, das geht nicht.“ Um diese These zu untermauern nannte er unter anderem die Beispiele von Ingvar Kamprad und Alfred Krupp, die den Change-Prozess gemeistert und aus ihren Unternehmen Weltkonzerne geformt hätten.

Dinge ins Rollen bringen

Johannes Warth gestaltete den Beitrag lebendig, indem er das Publikum regelmäßig einbezog, zum Schlagzeug oder Akkordeon griff, unterschiedliche Dialekte nachahmte und praxisnahe Szenarien nachzeichnete. Er hielt ein Plädoyer für die Veränderung auf allen Gebieten. Alles in der Welt beginne mit dem ersten Schritt. Man müsse Dinge ins Rollen bringen, wie er mit einer Jongliereinlage untermalte, bei der er bis zu fünf Bälle gleichzeitig in der Luft hielt. „Es kommt der Tag, an dem Sie etwas Neues lernen und andere damit beeindrucken. Sie werden mitreißend!“ Das sei der Moment, den Unternehmer immer wieder herbeisehnen würden: wenn ein Team begeistert zusammenarbeite. Ein Experiment sollte diesen Aspekt belegen: Warth formte aus Publikumsvertretern zwei Teams, die gemeinsam ein Seil auf Hüfthöhe spannten. Der Referent sprang darauf und balancierte! „Das klappt nicht immer, denn dazu muss die innere Einstellung stimmen“, bekräftigte er. „Dann entsteht Vertrauen. Sobald sich Frust breitmacht, muss man das erkennen. Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung.“ Jeder solle sich die Frage stellen, ob er mit sich selbst zusammenarbeiten würde. Johannes Warths Empfehlung lautete: „Frohlocke! Denn wer ‚froh‘ ist, der ‚lockt‘ andere.“ Zum Abschluss stimmte er das Publikum ein, indem er ein Lied auf der Ziehharmonika anspielte und zum Mitsingen animierte. Daran sehe man, wer sich wirklich identifiziere: „Als Unternehmer müssen Sie verrückt sein! Mut tut gut!“